Antependium in der Stiftskirche St. Nikolaus des Klosters Großcomburg

Meisterwerk der Goldschmiedekunst

Das Antependium

So reich und strahlend war die Comburg im Mittelalter: Das Antependium, die funkelnde Altarverkleidung aus Gold, Silber, Email und geschliffenen Steinen, zeugt heute noch davon. Die Tafel zeigt das Jüngste Gericht – Christus als Weltenrichter, umgeben von den zwölf Aposteln.

Antependium in der Stiftskirche St. Nikolaus des Klosters Großcomburg

Christus als Mittelpunkt.

Weltgericht in Gold und Silber

In der Mitte thront Christus. Wie meistens in der romanischen Kunst ist er als Weltenherrscher dargestellt, umrahmt von der Mandorla, einem mandelförmigen Glorienschein. Dazu kommen die Symbole der vier Evangelisten in den Ecken um die Mandorla. Jeweils sechs Apostel flankieren den thronenden Christus auf den beiden Seiten. Damit zeigt das Antependium der Comburg das typische Thema der Romanik: Christus als Richter am Ende der Welt beim Jüngsten Gericht.

Antependium in der Stiftskirche St. Nikolaus des Klosters Großcomburg

Ein wertvoller Vorhang.

Was ist ein Antependium?

Mittelalterliche Kirchen waren reich geschmückt: Stifter schenkten reichlich, um ihre Frömmigkeit zu zeigen. Der Begriff Antependium ist lateinisch und bezeichnet etwas „Davorgehängtes“, also einen Altarvorsatz. Für das Zentrum des Gottesdienstes, den Altar, konnten die Materialien für den Vorsatz gar nicht kostbar genug sein. Manchmal waren die Altäre ganz mit feinen Stoffen verhängt, etwa mit bestickter Seide. Die kostbarsten Antependien waren aus Edelmetall.

Antependium in der Stiftskirche St. Nikolaus des Klosters Großcomburg

Feine Arbeiten zwischen farbigen Emailbändern.

Feine Treibarbeiten vergoldet

Das Antependium der Comburg besteht aus Kupfertafeln, aus denen die Figuren der Apostel und des Christus getrieben sind. Die Figuren sind ziemlich plastisch gearbeitet und bis in feine Details der Gesichter, Haare und Falten ausgearbeitet. Die Blechtafeln wurden anschließend vergoldet. Zwischen den Bildfeldern leuchten farbige Emailbänder. Die ganzen Metallelemente wurden schließlich zusammen auf eine Trägerplatte aus Holz montiert – und erreichen eine Größe von 77 Zentimetern Höhe und 188 Zentimetern Breite.

Innenansicht der Stiftskirche St. Nikolaus des Klosters Großcomburg

Ein ganz besonderer Schatz.

Rarität in gutem Zustand

Wie der große Radleuchter stammt auch der vergoldete Altarvorsatz aus der Zeit von Abt Hartwig und entstand etwa 1130 bis 1140 – ob er auf der Comburg selbst hergestellt wurde, ist bis heute nicht geklärt. Solche mittelalterlichen Antependien gibt es nur noch sehr wenige. Die Comburg birgt daher einen ganz besonderen Schatz. Seit einer umfassenden Restaurierung 1969 schmückt das Antependium den damals aufgestellten Kreuzaltar der Stiftskirche.

Mit scharfen Augen entdecken Sie sie: Vier merkwürdige Wesen mit Flügeln umschweben die Christusfigur. Es sind die Symbole der vier Evangelisten, für Markus ein Löwe, für Lukas ein Stier, für Johannes ein Adler und für Matthäus ein Engel.

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