Radleuchter in der Stiftskirche St. Nikolaus des Klosters Großcomburg

Der grösste und besterhaltene seiner Art

Der Radleuchter

Schon vor 900 Jahren gab es nur ganz wenige, erhalten haben sich insgesamt drei solcher monumentaler Metallkunstwerke. Der Comburger Radleuchter gehört zu den kostbarsten Kunstschätzen in Baden-Württemberg und darüber hinaus. Und will nichts weniger als ein Bild vom Paradies geben.

Detail des Radleuchters in der Stiftskirche St. Nikolaus des Klosters Großcomburg

Zwölf Türme rundherum.

Riesig und vielteilig

Der Radleuchter, der nach seinem Stifter auch Hartwig-Leuchter heißt, hat einen Durchmesser von 5 Metern, sein Umfang beträgt ca. 16 Meter. Auf zwei geschmiedeten Eisenringen sind zwölf vergoldete Kupferbleche montiert, die jeweils vier Kerzen tragen. Zwischen den Kupfertafeln sitzen fein ausgearbeitete, unterschiedliche Türme, ebenfalls zwölf. Die Türme sind bis zu einem Meter hoch, die Tafeln messen 50 Zentimeter in der Höhe. Der Leuchter beeindruckt schon durch seine Größe!

Medaillon mit Prophetenmotiv am Radleuchter in der Stiftskirche St. Nikolaus des Klosters Großcomburg

Ein Bild des Paradieses.

Strahlende Krone

Der gesamte Leuchter ist reich geschmückt mit Ornamenten, aber auch mit Figuren und Reliefs. Medaillons mit Apostelbildnissen an den Kupferplatten, Wächterfiguren an den Türmen und dazu im Zentrum der Aufhängung des Leuchters ein Bildnis des segnenden Christus: Der Leuchter zeigt sich als ein beziehungsreiches Bild des Himmlischen Jerusalems – also des Paradieses. Die lateinische Inschrift, die in zwei Reihen das Rad umzieht, nennt Abt Hartwig als Stifter und erklärt das Werk.

Hebevorrichtung für den Radleuchter auf dem Dachstuhl der Stiftskirche St. Nikolaus des Klosters Großcomburg

Die Aufzugmaschine für den Radleuchter.

Wunderbar erhaltene Rarität

Nur vier Leuchter gibt es noch: einen im Aachener Dom, zwei in Hildesheim und einen in der Comburg. Diese Leuchter entstanden etwa zur gleichen Zeit, also nach 1100. Der Hartwig-Leuchter der Comburg ist relativ gut erhalten, das hat sich bei einer Untersuchung durch Restauratoren des Landesamtes für Denkmalpflege gerade erst wieder gezeigt. Ein wahres Wunder! Der Leuchter überstand den Bauernkrieg, den Abriss der romanischen Kirche und den Neubau – und sogar einen Absturz im 19. Jahrhundert.

Perfektion zur Ehre Gottes

Das technische Niveau ist erstaunlich: Das Metall wurde gegossen, getrieben und graviert. Um die eindrucksvollen Ornamente, die Bildnisse und die Inschriften hervorzuheben, sind Teile der Kupferbleche vergoldet, andere Partien mit Braunfirnis überzogen. Typisch für den Geist mittelalterlicher Kunst: Der Künstler hat alles bis ins Detail ausgearbeitet, obwohl der Leuchter in großer Höhe im Kirchenschiff hing und die Einzelheiten für die Gläubigen gar nicht zu sehen waren – er arbeitete zur Ehre Gottes.

Teil des Radleuchters in der Stiftskirche St. Nikolaus des Klosters Großcomburg

Der Künstler arbeitete akribisch, auch wenn der Leuchter in großer Höhe im Kirchenschiff hing und es von unten kaum zu sehen ist.

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