"Himmlisches Jerusalem" im Kochertal

Kloster Großcomburg

Sinnvolle Vorsorge oder Eitelkeit?

Anekdote: Neustetters

Denkmal

Alle Grabmäler wurden beim Abriss der romanischen Kirche entfernt. Nur eines übernahmen die barocken Bauherren in die neue Kirche: das Epitaph des Erasmus Neustetter. Er hatte die Comburg als Chorherrenstift zu neuem Leben erweckt. Seine Verdienste sind als Gedicht in Stein gemeißelt.

Grabmal des Erasmus Neustetter in der Stiftskirche St. Nikolaus des Klosters Großcomburg; Foto: Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, Arnim Weischer

Zeugnis des eigenen Ruhms.

Zu Lebzeiten selbst bezahlt

Die Inschrift aus dem Lateinischen übertragen nennt ihn „Dekan dieser Kollegiatskirche, der er 43 Jahre vorstand“. Und sie nennt auch das Datum seines Todes, den 3. Dezember 1594. Neustetters Epitaph, also ein Denkmal mit Inschrift, das an ihn erinnert, ist viel früher entstanden. Auch das ist der Gedenkinschrift zu entnehmen: „Er hat es sich bei Lebzeiten setzen lassen 1570“ steht in Sandstein gemeißelt da. Damals hatte man wenig Scheu, seine eigenen Taten selbst zu rühmen, und das schon 24 Jahre vor dem eigenen Tod.

Tafel neben dem Grabmal des Erasmus Neustetter in der Stiftskirche St. Nikolaus des Klosters Großcomburg; Foto: Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, Arnim Weischer

Eine Liste seiner Verdienste.

Vielfaches Gedenken, gut organisiert

Ein Epitaph muss nicht – im Unterschied zum Grabmal – am Bestattungsort des Verstorbenen stehen. So ist Neustetter nicht auf der Comburg, sondern im Würzburger Dom begraben. Insgesamt gibt es fünf Denkmäler für ihn, die er zum Teil selbst errichten ließ. Eines dieser Monumente ist das in der Comburger Stiftskirche – im südlichen Seitenschiff, neben dem Zugang zur Wintersakristei. Direkt neben diesem Denkmal zählt eine Tafel aus Sandstein in lateinischen Versen seine Verdienste um die Comburg auf:

 „Türme gebaut hab ich zehn und Mauern neu aufgeführt.
Gulden hab ich gemehrt und Zinsen und Zehnten.
All das ist nur geschehen durch meine riesige Arbeit
Aber da niemand geboren sich selbst zur Pflege der Ruhe,
Sondern zur Sorg für das Feld, das ihm von oben vertraut,
Hab meine Pflicht ich getan mit Eifer, wie´s nur erlaubte
Meine wenige Kraft oder die schwierige Zeit.
Sterblicher, denk an den Tod, hab stets ein gutes Gewissen!
Alles andere vergeht, Tugend allein hat Bestand.“