Blick auf den Ehreninvalidenfriedhof beim Kloster Großcomburg

Ehreninvaliden statt Chorherren

Ein militärisches Altersheim

Von 1817 bis 1909, fast 90 Jahre lang, war die Comburg der Sitz des Königlich-Württembergischen Ehren-Invaliden-Corps. Invalide Soldaten, zum Teil mit ihren Familien, wohnten in den Gebäuden des Chorherrenstifts. Der eigene Friedhof der Ehreninvaliden auf der Comburg zeugt heute noch von dieser Einrichtung.

Invalidenstift Großcomburg, Das Frühjahr, Aquarell von Reinhold Braun von 1863

Gute Verpflegung und leichter Dienst.

Ehrengarde auf Erlass des Königs

König Friedrich I. begründete per Erlass vom 29. Dezember 1806 ein Ehren-Invaliden-Corps und wies den dienstunfähig gewordenen Soldaten Gebäude zum Wohnen zu. Das Corps war wie jede militärische Einheit strukturiert: 6 Offiziere und 12 Unteroffiziere befehligten 150 bis 200 Invaliden-Soldaten. Die Angehörigen des Corps waren von allen anderen Soldaten zu grüßen und sie wurden verpflegt wie die königliche Garde zu Fuß. Ihr einziger Dienst bestand – soweit sie dazu in der Lage waren – im Wachdienst am Tor.

Uniformen des Ehreninvalidencoorps, Druck aus „Geschichte des württembergischen Kriegswesen“ von L. I. von Stadlinger, 1856

Die Uniformen veränderten sich.

Durch eigene Uniform ausgezeichnet

Anfangs trugen die Ehren-Invaliden einen dunkelblauen Spenzer – eine kurze Jacke – mit rotem Kragen und roten Ärmelaufschlägen, gelbe Hosen und den Zweispitz. Ab 1849 ersetzten ein Überrock und Hosen in Dunkelblau die alte Uniform, dazu Stiefel, ein grauer Mantel und eine dunkelblaue Mütze mit württembergischem Wappen aus Metall und einer Kokarde.

Blick auf den Ehreninvalidenfriedhof beim Kloster Großcomburg

Der letzte Angehörige starb 1925.

Lange Tradition auf der Comburg

Anfangs wohnte das Invaliden-Corps in Stuttgart. Erst im April 1817 verlegte die Regierung die Unterkünfte der alten Soldaten aufs Land: in die Gebäude der Comburg. Als 1871 das Militärpensionsgesetz die Versorgung der Soldaten neu ordnete, wurde das Corps geschlossen und zuletzt 1909 aufgelöst. Damals lebten noch vier Invaliden auf der Comburg. Der letzte Angehörige des Invaliden-Corps starb 1925.

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